die Sache mit den Genen..

.. ist nicht zu verkennen. Der Mensch entsteht zwar aus einer Zelle, diese beinhaltet ja aber schon das gesamte Erbmaterial, das uns Vater und Mutter mitgeben. So lässt sich daraus schon vor der Zeugung sagen, welche Haar- oder Augenfarbe das Kind haben kann. Das kann Spaß machen, ist auch immer wieder ein beliebtes Spiel im Biologieunterricht in der Schule - die Wissenschaft sieht aber viel größere Aufgaben und Möglichkeiten darin und nutzt sie auch. Vorherrschendes Thema ist wohl die Gesundheit. Welches Gen ist verantwortlich für welche Krankheit? Welches Risiko besteht für ein Kind, wenn Er dies und/ oder Sie jenes Gen in sich trägt?

Das alles ist schon großartig und kann bei einem Kinderwunsch hilfreich werden. Es gibt aber, wie meist im Leben, auch die andere Seite der Medaille: Was macht der Mediziner aus und mit diesem Wissen?

 

Ich stoße immer wieder auf Artikel, die belegen, wie kurzsichtig die Verantwortlichen oft sind und dass ärgert mich schon sehr. Darum sei mir diese Kolumne gegönnt. Dieser Artikel stellt vor, ob (eigentlich dass) man mithilfe der Genetik schon im Vorfeld das Risiko für Kinder und Jugendliche an einer Depression zu erkranken abschätzen kann. Ziel ist es natürlich, der möglichen Erkrankung entgegenzuwirken.

Liest man allerdings die Quelle, zeigt sich nicht nur die eingangs erwähnte Kurzsichtigkeit sondern auch eine Voreingenommenheit, durch die das Ergebnis durchaus fehlinterpretiert werden kann. Denn neben der Depression wurde auch Missbrauch miteinbezogen. Was hat das dann aber noch mit dem eigentlichen Thema zu tun? Man bedenke, das auf Grundlage solcher "Fachstudien" Therapien entwickelt und angewendet werden..

Bleiben wir bei der Kurzsichtigkeit! Das Auge des Wissenschaftlers richtet sich also gebannt auf die Gene. Depressive Menschen tragen beispielsweise das ojeh-Gen in sich. Das wurde erkannt und sobald man es bei Kindern nachweisen kann wird gehandelt; es folgt in der Regel der psychologische Ansatz. Das klingt ersteinmal logisch. Der Mensch und eben auch das benannte Kind bestehen aber nicht nur aus den Genen sondern auch aus Zellen oder anders: ist ein Organismus. Dieser hat beispielsweise eine Entgiftungsquelle. Wenn diese nicht oder auch nur mäßig funktioniert, wird der Organismus auf sagen wir Umwelteinflüsse stärker reagieren als ein gesunder Körper es  täte.

Und wenn ich nun das Gen für ein Risiko an Depressionen zu erkranken in mir trüge dabei jedoch alles andere hervorragend gesund funktioniert, gehe ich nicht davon aus auch tatsächlich depressiv zu werden. Da die Studie aber belegt, wie es mal um mich stehen können wird, werden psychologisch basierte Präventionsmaßnahmen ergriffen werden. Dabei ist keinesfalls sicher, dass diese tatsächlich notwendig gewesen wären.

Betrachten wir es aber aus Körpers Perspektive, der grundsätzlich mit allem gewappnet ist leben zu können, dann sehe ich, wie es ihn schüttelt. Eine Depression hat wie alle anderen Krankheiten eine Ursache. Die Genetik zeigt mir zwar die Veranlagung dazu, die Ursache wird aber eine andere sein und durch die neuentwickelten Methoden nicht erkannt geschweigedenn eliminiert werden. Darum ist unabdingbar, zunächst den Organismus umfangreich zu untersuchen und gegebenenfalls zu behandeln, damit dieser seine Funktionen wieder vollständig übernehmen kann.

Denkt mal drüber nach..


eigentlich mein Thema..

..zeigt aber sehr deutlich, wie unzureichend untersucht wird, weil einfach nicht mehr dran gedacht.

Meine Großmutter war um die Vierzig, als sie an Tuberkulose starb. Mein Vater wuchs zwar ohnehin schon bei seinen Großeltern auf, weil sie ihn als berufstätige alleinerziehende Frau ihn nicht betreuen konnte. Doch durch ihren frühen Tod sah er sie nun nicht einmal mehr an den Wochenenden. Das hat ihn Zeit seines Lebens sehr belastet.

Ich verurteile nicht, dass es damals in den 30er/ 40er Jahren so kam. Die Krankheit war zwar sehr präsent und die Mediziner sich dessen bewusst, so dass sie dementsprechend zügig erkannt wurde. Ich verurteile das Heute. Genau wie die Grundlagen wird schlicht vergessen, dass solche Krankheiten noch immer existieren. Wie leben in einem modernen Zeitalter, in dem Pest, Cholera oder Tuberkulose allenfalls in sogenannten Entwicklungsländern vorkommen - aber doch nicht bei uns..

Hierzulande hat man Krebs, zu hohen Blutdruck, Grippe oder Burnout - aber doch nicht TBC. Diese Krankheit ist tatsächlich nicht einfach zu erkennen. Doch wenn man gar nicht erst daran denkt, wird sie nie erkannt. Und genau das ist das Problem: Tuberkulose steht nicht mehr auf der Agenda - einfach futsch.

Auch darum richtet sich dieses Magazin auch an Ärzte und solche, die es werden wollen..